Gemeinsam die Zukunft von Kindern verändern: Terre des hommes lebt von einem starken Engagement an Freiwilligen. Paola Tedeschi, Verantwortliche der Freiwilligenarbeit, gibt Einblick in die ehrenamtlichen Tätigkeiten und die zahlreichen Projekte. Die Teams von Terre des hommes schaffen jeden Tag vor Ort in den ärmsten und entlegensten Teilen der Welt gemeinsam eine bessere Gesundheit für Mutter und Kind. Claudio Rini, Programmleiter und Mitglied der Geschäftsleitung, über die Stärkung von Gesundheitssystemen und die digitale Gesundheit.

Terre des hommes beschäftigt auch Freiwillige: Mit wie vielen Freiwilligen arbeiten Sie zusammen und wie engagiert man sich bei Terre des hommes ehrenamtlich?
Paola Tedeschi: Schweizweit beteiligen sich rund 2’000 Freiwillige an verschiedenen lokalen Aktionen, wobei der traditionelle Orangenverkauf im März bei weitem das grösste Engagement darstellt. Jede Unterstützung ist gerne willkommen; in Zürich und Lausanne ist ein Koordinationsteam bereit, um die Interessierten mit den lokalen Gruppen zu vernetzen.
Was sind die Grundvoraussetzungen und das Zeitfenster, über die man als Freiwillige(r) verfügen sollte?
Wichtig sind Motivation, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, unsere Werte und Mission zu teilen. Der Zeitaufwand hängt ganz von der jeweiligen Person ab: Einige engagieren sich für ein paar Stunden für bestimmte Aufgaben, während andere einen regelmässigen Einsatz bevorzugen oder im Gruppenvorstand mitwirken möchten.
Die Freiwilligenarbeit ist in der Schweiz gut verankert. Wie erleben Sie das bei Terre des hommes? Wie engagiert sind Ihre Freiwilligen und was macht das «Feuer» bei dieser Arbeit aus?
Bei Terre des hommes erleben wir ein starkes Engagement: Unsere Freiwilligen investieren Zeit, Kreativität und Herzblut. Das «Feuer» entsteht aus der gemeinsamen Überzeugung, etwas Sinnvolles für Kinder weltweit zu bewirken und dabei einen Unterschied zu machen – lokal verankert, global wirksam.
Was sind die möglichen Tätigkeiten, wo Freiwillige Ihre Organisation unterstützen?
Unsere Freiwilligen organisieren Sammel- und Sensibilisierungsaktionen, engagieren sich in Regionalgruppen mit lokalen Aktivitäten oder im Vorstand und nehmen an unseren nationalen Initiativen wie dem Orangenverkauf teil, der seit anfangs der 60er Jahre besteht. Jede Teilnahme bringt einen Mehrwert.

Prägende Veranstaltungen, an welchen Freiwillige mitwirken, sind der Orangenverkauf im Frühling oder der Welternährungstag. Welche Ideen stecken dahinter und wie laufen diese Events ab?
Diese beiden Aktionen haben etwas Gemeinsames, nämlich die Bevölkerung daran zu erinnern, dass anderswo Kinder nicht genug oder ausgewogen zu essen haben. Die Orange ist das Symbol der Gesundheit, die wir jedem Kind ermöglichen möchten. Die Orangen werden jeweils an Ständen verkauft. Am Welternährungstag rund um den 16. Oktober nehmen hauptsächlich Restaurants teil – landesweit sind es etwa hundert. Für jede verkaufte Mahlzeit an diesem Tag spenden sie einen Teil an Terre des hommes.
Am Internationalen Tag der Kinderrechte laden Ihre Freiwilligengruppen Schulen und Schulklassen in der Schweiz dazu ein, Teil einer endlosen Solidaritätskette zugunsten von Schulkindern weltweit zu sein. Welche Erfahrungen machen die Freiwilligen dabei?
Für die Schulkinder ist ihr jeweiliger Einsatz am 20. November etwas, das sie prägt. Wir sind immer wieder erstaunt über die Begeisterung, mit der sie sich beteiligen. Es geht um weit mehr als den Verkauf von Schals oder Schokolade. Die Kinder lernen, dass das Teilen mit anderen, Sinn ins Leben bringt.
Was sind weitere Projekte in der Freiwilligenarbeit?
Unsere Regionalgruppen organisieren vielfältige Anlässe wie Weihnachtsmärkte, Sportturniere, Läufe oder Tombolas und entwickeln dabei laufend neue Ideen. Neue Freiwillige sind dazu ermuntert, ihre Kreativität einzubringen und eigene Projekte umzusetzen.

Die Teams von Terre des hommes unterstützen unter dem Motto «Gemeinsam eine bessere Gesundheit schaffen» jeden Tag hilfsbedürftige Menschen vor Ort in den ärmsten und entlegensten Teilen der Welt. Was treibt die Menschen an, sich für die Ärmsten der Welt unermüdlich einzusetzen?
Claudio Rini: Unsere Teams lassen sich von der Überzeugung leiten, dass jedes Kind ein Recht auf Würde, Fürsorge und Schutz hat – sie ist massgebend, um tägliche Herausforderungen zu meistern und Lösungen zu entwickeln. Die Verbesserungen sind spürbar im Leben der Kinder, und das ist unsere treibende Kraft.
Wo liegt bezüglich «Gesundheit» der grösste Handlungsbedarf?
Er betrifft vor allem die Gesundheit von Müttern und Kindern vor, während und nach der Geburt. Viele Probleme sind durch relativ einfache Präventionsmassnahmen oder eine vertiefte Ausbildung des medizinischen Personals abwendbar. Dadurch können viel Leid in Familien und auch Gesundheitskosten vermieden werden.
Ihre Mitarbeitenden stärken das Gesundheitssystem. Was verstehen Sie darunter und wieso ist das so wichtig?
Sind die Grundlagen für die lokalen Dienste gestärkt, können Krankenschwestern und Hebammen auch in abgelegenen ländlichen Gebieten den Umständen angepasste und wirksame Pflege leisten. Neben einer angemessenen Ausstattung und einer zuverlässigen Logistik für medizinisches Material ist eine kontinuierliche Ausbildung unerlässlich, um fundierte Diagnosen und Prognosen stellen zu können.

Die digitale Gesundheit spielt eine grosse Rolle bei Ihrer Tätigkeit. Welche Idee steckt dahinter?
Durch digitale Methoden können wir systematische Verbesserungen im Gesundheitsbereich erreichen. Dadurch können auch in entlegenen Gebieten Bevölkerungsgruppen erreicht und effizient medizinisch betreut werden. Die Erfahrung zeigt, dass sich solche Investitionen auszahlen – sowohl medizinisch als auch durch reduzierte Kosten.
Was sind die grössten Herausforderungen bei diesem «Gesundheitsmanagement» von Terre des hommes?
Die Interoperabilität zwischen den Systemen von Terre des hommes und Behörden muss für einen nahtlosen Austausch zwischen mehreren Anwendungen gewährleistet sein. Dabei ist es unerlässlich, die Daten von Patienten zu schützen. Das ist unsere Priorität bei der Umsetzung.
Was haben Sie diesbezüglich im letzten Jahr erreicht?
Im vergangenen Jahr hat Terre des hommes 5,5 Millionen digitale Konsultationen in meist abgelegenen Gebieten ermöglicht; dies entspricht 86 Prozent der Kliniken in acht Ländern, in denen wir tätig sind.
Was sind weitere Projekte bezüglich innovativer Gesundheit für Mütter und Kinder, etc.?
Unser Schwerpunkt liegt zwar auf der Gesundheit von Neugeborenen in den ersten 1’000 Tagen ihres Lebens (von der Zeugung bis zum zweiten Geburtstag eines Kindes), aber wir unterstützen auch Schwangere, Jugendliche und Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben oder unter psychischen Problemen leiden, insbesondere in Krisengebieten.
Interview: Corinne Remund
Die Stiftung Terre des hommes (Tdh) ist die führende Schweizer Kinderrechtsorganisation mit über 2000 Mitarbeitenden weltweit. Sie setzt sich für die Rechte der Kinder ein, schützt ihr Leben und verbessert ihr Wohlergehen. Seit 1960 engagiert sich die Stiftung in schwierigen Kontexten, in Kriegsländern, in von Naturkatastrophen erschütterten Regionen und dort, wo Kinder von Armut, Mangelernährung und erzwungener Migration betroffen sind. Sie arbeitet mit lokalen und internationalen Partnern in rund 30 Ländern zusammen, um innovative Programme in den Bereichen Gesundheit, Migration und Zugang zur Justiz umzusetzen.





